Nikon 1 V1 als minimalistische Video-Kamera

Heute möchte ich mal eine schon ältere Kamera, die bei mir kaum noch benutzt wurde in eine kleine Videokamera verwandeln. Die Rede ist von einer Nilon 1 V1 mit gerade mal 10Mp, wobei die „geringe“ Sensorauflösung für ein F-HD Video (1920×1080) völlig ausreicht. OK, der Titel „minimalistische Video-Kamera“ ist jetzt vielleicht auf Grund der folgenden Zusammenstellung nicht so ganz passen, da man ja auch ohne das ganze zusätzlich montierte Zeug mit der V1 filmen kann und dann ist’s wirklich klein. Da aber doch oft wenigstens ein externes Mikrofon und auch ein zusätzlicher Monitor Verwendung findet, sollte das hier als Minimalausrüstung dienen und bei dem Vergleich ist diese Kobination dann wirklich recht klein.  Und das macht die „Kleine“ garnicht mal so schlecht, sogar bis 60 fps bei F-HD. Bei einer Auflösung von 640×240 bringt die Kamera Zeitlupenaufnahmen mit 400 fps zustande, was im Erscheinungsjahr 2011 schon ziemlich gut war und selbst selbst so mancher heutigen 1″ Kamera gut zu Gesicht stehen würde. Bei 320×120 sind es dann sogar 1.200 fps, allerdings dürfte diese geringe Auflösung heute kaum noch zu gebrauchen sein. Zu was 1″-Sensoren mittlerweile in der Lage sind, zeigt Sony oder auch Panasonic sehr anschaulich.

Ein Problem der Video-Filmerei ist u.a., daß diese Kamera kein Schwenkdisplay hat. Lege ich da beim Fotgrafieren eher wenig bis gar keinen Wert drauf, ist das beim Filmen schon fast unabdingbar. Gut ist, daß diese Kamera an ihrem Mini-HDMI Ausgang die volle Auflösung in jeder Situation, also beim Fotografieren, Filmen oder auch Ansicht zur Verfügung stellt. Eine Olympus E-M1-1 oder eine Fuji X-T1 kann das z.Bsp. nicht. Damit besteht nun die Möglichkeit, einen externen Monitor anzuschließen. Ein 5″ oder 7″-Monitor macht jetzt aber bei dieser Kamera recht wenig Sinn. Also nehme ich einen 3,2″ Zacuto EFV-Z-Finder. Dieser liegt hier noch vereinsamt in der Kiste und kommt nun wieder zum Einsatz.

Diesen Monitor gibt es als Snap- und als Flip-Version. In diesem Fall ist es eine Snap-Version

Snap-Version
Flip-Version

Man kann diesen Monitor als Z-Finder EVF Kit oder auch einzeln erwerben. Bei mir ist ein Kit mit der Z-Finder Sucherlupe vorhanden. Der Monitor braucht Canon LP-E6 Akku’s

Z-Finder EVF-Kit

Um jetzt diesen Kamera-Aufbau halbwegs vernünftig sowohl auf dem Stativ als auch händisch nutzen zu können, braucht es einige Befestigungsmittel. Diese bestehen aus einer Winkelschiene von Really Right Stuff, schmale Schnellwechselklemmen (Mengs DC-25), einem günstigen (China)-Magic-Arm, einer 100mm Makro-Klemmschiene (Mengs NNR-100), diversen Klemmteilen aus dem Nato-Rail-Standard, ein 15mm Rod (35mm lang) von Smallrig, einem Blitzschuhadapter und einem angefertigten separaten Mikrofonhalter. Dieser war nötig, da sich das externe Mikrofon bei dieser von mir bevorzugten Anordnung der Bauteile nicht montieren ließ. Die Mengs-Klemmen müssen mit einer Feile und Gewindebohrern (1/4″ und 3/8″) angepasst werden da sie sonst für meine Anwendung nicht nutzbar sind. Es gibt aber von anderen Herstellern auch klemmen der gleichen Bauart, die ohne Änderung direkt verwendbar sind. Als Handgriff kommt ein 6 €-Teil aus Aluminium mit Gummiüberzug zum Einsatz.

Als HDMI-Kabel verwende ich fast ausnahmslos DeLock-Kabel. Mit 3,2mm Ø sind diese Kabel sehr dünn, übertragen aber Video-Signale bis 4K problemlos. Bei diesem Monitor sind die Ein- und Ausgangsbuchsen so angeordnet, daß das Kabel richtung Kamera zeigen würde, was in diesem Fall unvorteilhaft wäre. Auch hier gibt’s von Delock eine Lösung; ein Winkelstecker 65663. Im Lieferumfang des Monitor’s ist ein in verschiedene Richtungen verstellbarer Stecker, allerdings in einer recht klobigen Bauweise. Der Delock Winkelstecker ist da die deutlich ansehnlichere Variante.

Delock 65663

Dieser Winkelstecker, den es auch noch in weiteren Ausführungen gibt, erlaubt es nun, daß Verbindungskabel vernünftig aus dem Monitor heraus zu führen. Diese Stecker-Adapter bekommt man auch von anderen Herstellern, allerdings verwende ich gerne diese von Delock, weil sie eine sehr kleine Bauform aufweisen, sehr günstig sind und problemlos funktionieren, genau wie die Kabel.

Die Montageweise des Aufbaus erlaubt es jetzt, die Kamera entweder mit der aufgesetzten Sucherlupe direkt am Auge zu führen oder ohne Lupe direkt auf den Monitor zu schauen (Stativ, freihand).

Hier mal ein paar Worte zur Anwendung von Sucherlupen; Diese werden heutzutage ja nicht nur auf diversen Kontrollmonitoren verwendet sondern auch auf Kameradisplay’s von DSLR oder DSLM. Gerade die Schwenkdisplay’s der meisten Kameras ermöglichen es, diese Lupen zu montieren und dann auch nach oben zu schwenken. Wird die Kamerakombi nun im Freien und vor allem bei Sonnenschein verwendet, ist die Gefahr des Einbrennens auf dem Display groß. So lange das Auge auf der Sucherlupe sitzt, ist alles in Ordnung. Steht die Kamera aber auf einen Stativ (vor allem mit nach oben geneigtem Display) fungiert die Sucherlupe als ganz hervorragendes Brennglas. Es passiert dadurch immer wieder, daß Einbrandflecken auf den Display’s entstehen. Man versucht diese Gefahr etwas einzudämmen, indem man Okularmasken einsetzt die die Einlassöffnung des Okulars verkleinern ohne das der Blickwinkel dadurch eingeschränkt wird. Zacuto hat in der Anfangszeit diese Schäden am Display ihres 3,2″ Monitors gegen Kulanz und Tausch des Display behoben und kostenlos Okularmasken mit Okulardeckel angeboten. Wie gesagt: dieses Problem betrifft „alle“ auf dem Markt vorhandene Sucherlupen. Daher empfiehlt es sich Grundsätzlich, auf allen Lupen bei Nichtbenutzung Okulardeckel einzusetzen. Ob das nun ein Tuch ist, welches man darüber stülpt oder ein passender Deckel, spielt keine Rolle. Wichtig ist einfach nur, daß man sich angewöhnt darauf zu achten.

 

Ein externes Mikrofon (welches m.M. ein Muss ist) auf dem Zubehör-Blitzschuh zu montieren, funktioniert bei der eingestellten Position des Monitor’s natürlich so nicht mehr. Da ich aber die Einstellung genau so bevorzuge und auch nicht gewillt bin, das zu ändern, bleibt auch nur wieder eine Bastellösung übrig, was aber auch keinen großen Aufwand darstellt. Ein 20mm breites und 60mm langes 3mm Alublech, zweimal gekantet, daß war’s. Noch zwei 6,5 Ø Löcher rein und zusammenschrauben.

Alu-Mikrofonadapter (Eigenfertigung

 

Vielleicht noch ein paar Worte zu den Möglichkeiten, eine „Kamera-Video“-Kombination aufzubauen. In der Regel wird sowas mit Rig’s, Cages, Rod’s und Nato-Rail aufgebaut; also Kamera in einen Montagekäfig geschraubt, dieser auf einen Montagebock mit montierten 15mm Rod’s (15mm Alurohre). Monitor und Zubehör wird anschließend über Nato-Rail Montageteile, Blitzschuhadapter, Rod-Adapter usw. montiert. So in der Art ist das auch alles bei meiner Fuji X-T2 Kombi aufgebaut. Es geht aber in einfacher Form wie hier in diesem Beispiel zu sehen auch mit weniger Aufwand und zum Teil mit schon vorhandenen Teilen. An der V1 ist beispielsweise schon zu Fotozwecken eine RRS-Winkelschiene montiert (das ist eigentlich bei all meinen Kameras so). Durch den Arca Swiss „Standard“ (es ist nicht genormt) der wohl bei der Zahl der Stativbefestigungen vorherschen dürfte, ist es durchaus möglich, auch anderes Zubehör an diesen Schwalbenschwanz-Schienen zu montieren. Das Beispiel an meiner V1 zeigt es ja schon recht gut, es lässt sich aber im Prinzip auf alle Kameras mit einer Arca-Schiene anwenden.

 

Bei manchen Kameras sind die Zubehör-Winkelschienen so ausgeführt, daß das Hochformatteil in unterschiedlichen Positionen montiert werden kann. So auch bei der RRS-Schiene für die V1. Das hat eigentlich nur den Grund, daß die Abdeckklappe für die Anschlüsse geöffnet werden kann. Mir gefällt das zumindest bei der V1 nicht so besonders, da in diesem Fall die geöffnete Abdeckklappe bei der Montage einer Schnellwechselklemme an dem Hochformatteil stört. Darum mache ich die Klappe schon vor der Montage der Winkelschiene auf.

Hochformat-Schiene montiert in Stellung zum öffnen der Klappe
Hochformat-Schiene montiert in „Normal“-Stellung

Sollte eine Kamera dauerhaft mit Kabeln in den Anschlüssen bestückt werden, kann man auch darüber nachdenken die Abdeckkappe ganz zu entfernen. Das sollte aber eigentlich nur zur Wahl stehen wenn das möglich ist, ohne irgend etwas zu zerstören. Bei der V1 ist das möglich.

V1 mit entfernter Abdeckkappe

 

Hier nun noch ein paar Bilder von der zusammen gebauten Kamerakombination. Zum Schluss habe ich noch ein kleines 4K-Video von Aufbau diese Kombi verlinkt.

Kameraaufbau
Kameraaufbau
Kameraaufbau

 

Jetzt noch das Video vom Zusammenbau:

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